Logo Heinrich Böll Stiftung Rheinland-Pfalz

Grüne Fakten to go - Eine Schaufensterausstellung

Face the facts – die Klimakrise ist da und wir müssen JETZT mit aller Kraft politisch aber auch persönlich aktiv werden, um die Erderhitzung zu begrenzen. In unserer Schaufenster-Ausstellung „Grüne Fakten to go“ präsentieren wir daher gemeinsam mit dem Katapult-Verlag auf 15 Plakaten Fakten in besonders ansehnlicher und übersichtlicher Form. Informiert Euch über die Standorte aller Atomkraftwerke in der Welt. Erfahrt, wie viele funktionierende Althandys ungenutzt in deutschen Haushalten liegen (und wie ihr sie einer guten Nutzung zuführen könnt). Lest, welche bedeutende Rolle Moore eigentlich für den Klimaschutz und die Biodiversität spielen.

Die Karten stammen aus dem Buch „102 grüne Karten zur Rettung der Welt“. Wir freuen uns sehr über die Kooperation mit Katapult und bringen 15 ausgewählte Motive in Eure Schaufenster vor Ort – ob Architekturbüro, Fahrradladen oder Buchhandlung. Mit der Ausstellung wollen wir Zusammenhänge in der Stadt sichtbar machen, zum Nachdenken und Diskutieren einladen und natürlich zum Handeln anregen. Kommt vorbei!

Fakt 1: Kohle

746 Unternehmen weltweit betreiben Kohlekraftwerke, fördern Kohle, handeln damit oder sind Zulieferer – die meisten sitzen in China, Indien, den USA und Australien. 400 davon wollen ihre Aktivitäten ausweiten. In 95 Ländern sind Kohlekraftwerke in Betrieb und in 60 weiteren Kohleanlagen geplant. 

Deutschland steigt bis 2038 schrittweise aus der klimaschädlichen Kohle aus. Knapp ein Dutzend Steinkohleanlagen und der Braunkohleblock im Rheinischen Revier machen den Anfang und dürfen seit 2021 keine Energie mehr vermarkten. 

Noch 2008 sollte in Mainz ein neues Kohlekraftwerk gebaut werden, was durch einen breit getragenen Protest jedoch erfolgreich verhindert werden konnte.  

Aktiv Werden!
Für einen schnelleren Umstieg zu mehr klimafreundlicher Stromerzeugung kann jede*r etwas tun: ein Wechsel zu einem Ökostromanbieter ist dabei nicht mal unbedingt teurer. Infos zum Stromanbieterwechsel inkl. Vergleichsrechner. 

Mehr Daten und Fakten über Kohle gibts im Kohleatlas

Fakt 2: Warm werden

Das Jahr 2020 ist in Deutschland mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,4°Celsius das zweitwärmste Jahr seit Beginn flächendeckender Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Geringfügig wärmer war nur das Jahr 2018 mit 10,5°C gewesen.

Der Deutsche Wetterdienst beobachtete hierzulande neun der zehn wärmsten Jahre im 21. Jahrhundert, davon die vier wärmsten Jahre in der zurückliegenden Dekade 2011-2020. Diese Dekade war zugleich die wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Charakteristisch für das vergangene Jahr war zudem: 2020 war sehr sonnenscheinreich und das dritte Jahr in Folge, das zu trockene Jahr war. (Quelle DWD 2021)

In Bad Lauchstädt bei Halle erforschen Wissenschaftler*innen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in der Forschungsstation GCEF (Global Change Experimental Facility) im derzeit flächenmäßig größten Klima-Landnutzungs-Experiment der Welt, wie sich der Klimawandel auf Ökosystemprozesse in vier verschiedenen Landnutzungsformen auswirkt. Im Interview erklärt Dr. Martin Schädler, wie dieses Experiment funktioniert und was die ersten Erkenntnisse sind

Fakt 3: Überflutung

Angenommen, alle Gletscher und Polkappen würden schmelzen, dann stiege der Meeresspiegel um etwa 70 Meter. Das besagt eine Schätzung des amerikanischen National Snow and Ice Data Center. Das Ganze ist aber nur ein Gedankenexperiment. Realistischen Prognosen des Weltklimarates zufolge könnte der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um 29 bis 59 Zentimeter steigen, selbst wenn wir effektiv gegen den Klimawandel vorgingen. Unternehmen wir keine nennenswerten Anstrengungen, könnte der Anstieg bis zu 110 Zentimeter betragen. Studien anderer Forscher warnen sogar vor über zwei Metern. Sorry, Emden!

Mehr zum globalen Anstieg des Meeresspiegels wird in einem Artikel des Meeresatlas der Heinrich Böll Stiftung erklärt. 

Noch mehr zum Meer gibt es beim Ocean Summit

Fakt 4: Vogelsterben und Windkraftanlagen

Windkraftanlagen töten viele Vögel? Ja. Jäger, Katzen und Hochhäuser aber noch viel mehr. Kleinvögel fliegen durchschnittlich 30 Kilometer pro Stunde – andere Vögel sogar doppelt so schnell. Der Aufprall auf eine Glasscheibe ist bei dieser Geschwindigkeit in der Regel tödlich. Auch bei Windkraftanlagen sterben die meisten Vögel, weil sie gegen den Mast prallen, und nicht, weil sie vom Rotor getroffen werden. Wenn Windkraftanlagen farbig angestrichen werden, fliegen deutlich weniger Vögel dagegen. Die Naturschutzorganisation NABU beziffert die Anzahl der verunglückten Tiere auf bis zu 100.000 pro Jahr. Für die hier aufgeführten Todesursachen sind geschätzte Maximalwerte angegeben.

Der NABU und die Bundestagsfraktion der GRÜNEN haben 2020 einen Maßnahmenkatalog erarbeitet, um sowohl den Windenergieausbau zu beschleunigen als auch den Artenschutz zu wahren. 

Fakt 5: Fahrradwege

Was braucht eine Stadt, um fahrradfreundlich zu sein? Geld und Platz. In den letzten Jahren haben deutsche Großstädte für den Radverkehr zwischen 2,30 (München) und fünf Euro (Stuttgart) jährlich pro Kopf ausgegeben. Berlin und Hamburg liegen mit 4,70 bzw. 2,90 Euro im deutschen Mittelfeld.

Die Bundesrepublik investiert nur geringfügig in den Radverkehr. Aus dem Haushalt des Bundesverkehrsministeriums von knapp 28 Milliarden Euro im Jahr 2018 flossen 130 Millionen Euro in den Fahrradbereich – das sind 1,57 Euro pro Einwohner. Die Niederlande investierten im selben Zeitraum 2,6-mal so viel in ihre Radinfrastruktur: 345 Millionen Euro. 

Für Rheinland-Pfalz wurde ein Radverkehr-Entwicklungsplan erstellt, nach dem die Radinfrastruktur in den kommenden 10 Jahren erfasst und erheblich ausgebaut werden soll. 

Aktiv Werden!
Mitradeln bei Critical Mass ist übrigens nicht nur gut für die eigene Gesundheit, sondern demonstriert auch für eine nachhaltige Verkehrswende in den Städten.

Der VCD Rheinland-Pfalz bietet weitere Informationen rund um zukunftsfähige Verkehrespolitik. 

Fakt 6: Fleischkonsum

Gehen drei Menschen in ein Restaurant. Einer bestellt ein Fleischgericht, einer ein vegetarisches und einer einen Mehlwurm-Burger. Die Mahlzeiten haben alle einen Energiegehalt zwischen 915 und 940 Kilokalorien. Jeder wird satt. Der Unterschied: Derjenige, der den Wurmburger isst, verursacht am wenigsten Kohlendioxid, nämlich nur 160 Gramm. Für den Vegetarier fallen 470 Gramm an, der Fleischesser erzeugt 2.020 Gramm. In vielen Regionen der Erde verzehren Menschen Insekten, vorwiegend in Asien. Weltweit gibt es über 2.100 essbare Arten.

Wusstest Du, dass allein die fünf größten Fleisch- und Milchkonzerne so viele schädliche Klimagase freisetzen wie der größte multinationale Ölkonzern der Welt?

 

Mehr Daten und Fakten zum Fleischkonsum im neuen Fleischatlas

Fakt 7: Erneuerbare Energien

fortgeschritten als in Deutschland. Einige Länder wie etwa Norwegen können aufgrund geografischer Gegebenheiten Wasserkraft stärker nutzen. In anderen, südlichen Ländern scheint hingegen häufiger die Sonne. In Deutschland wächst der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch: Im Jahr 2000 lag ihr Anteil noch bei sechs Prozent, im Jahr 2018 waren es schon 37,8 Prozent.

Während wir beim Anteil der Erneuerbaren im Bereich des Stromsektors im Jahr 2019 weiter auf 40,02 Prozent angestiegen sind, liegt der Anteil der erneuerbaren Energien bei den Sektoren Wärme und Verkehr noch auf sehr niedrigem Niveau – hier muss sich schnell deutlich mehr tun, wenn wir das 1,5°C Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens noch halten wollen.

Mehr zur Energiewende im Energieatlas der Heinrich Böll Stiftung. 

Fakt 8: Moore

Rheinland-Pfalz ist nicht gerade bekannt für seine Moorlandschafen. Dennoch finden sich kleinere Moore im Hunsrück und in der Eifel, die mit zum Klimaschutz beitragen.

Moore gehören zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern der Erde: Torfmoore nehmen das CO2 aus der Atmosphäre auf und binden es. Die meisten deutschen Moorgebiete sind verschwunden, weil sie für die Land- und Forstwirtschaft trockengelegt wurden. Durch die Entwässerung stoßen sie viel schädliches Kohlendioxid aus.

Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz setzt sich für den Erhalt und die Renaturierung von Mooren im Land ein.

In Mecklenburg-Vorpommern werden neue Wege der Moornutzung erprobt mit sogenannter Paludi-Kultur. 
Nasse Hoch- und Niedermoore können land- und forstwirtschaftliche genutzt werden. Ein paar Beispiele: Anbau von Schilf für Dachreet, Nutzung von Sumpfpflanzen für die Wärmeversorgung im Heizwerk Malchin, Entwicklung von neuen Baustoffen mit Röhrichten oder die Kultivierung von Torfmoosen als Torfersatz für den Gartenbau. So bringt die nasse Bewirtschaftung von Moorböden Klimaschutz durch Minderung des CO2-Ausstoßes und durch Verdunstungskühlung.

Aktiv Werden!
Moorschützer*in werden? Ein Weg, Moore zu schützen, ist den (internationalen) Torfabbau zu bremsen. Der BUND hat einen übersichtlichen Einfkaufsführer für torffreie Blumenerde veröffentlicht und MoorFutures-Kohenstoffzertifikaten sorgen für die Wiedervernässung trockengelegter Moore. 

 

Fakt 9: Umgang mit alten Handys

Drei Ideen für den Umgang mit alten Handys: 1. in der heimischen Schublade liegen lassen; 2. beim Recyclinghof abgeben, weil die darin enthaltenen Ressourcen wiederverwendet werden können und die Akkus giftige Stoffe enthalten; 3. Beim NABU abgeben. Die Handys werden mit Partnerorganisationen wiederaufbereitet und verkauft. Ein Anteil aus den Umsatzerlösen fließt in den NABU Insektenfonds. 

Aktiv Werden!

Beim NABU kann man hier nach Sammelstellen in der Region suchen und die Handys dort für einen guten Zweck spenden. 

Fakt 10: Treibhausgase

Deutschlands Problemfelder sind laut Klimaschutzindex (CCPI 2021) zu schwache Ausbauziele für erneuerbare Energien, viel zu wenig Fortschritt im Verkehrssektor sowie ein noch immer hoher Energieverbrauch und auch hohe Emissionen klimaschädlicher Treibhausgase pro Einwohner. Deshalb reiche es im Gesamtergebnis nur für die Bewertung "mittelmäßig". Deutschland liegt hinter Staaten wie Indien, Chile und Marokko. Auf den vorderen Plätzen sind Schweden, Großbritannien und Dänemark zu finden.

Für eine klimaneutrale Welt dürfte jeder Mensch übrigens nur eine Tonne CO² pro Jahr ausstoßen.

Aktiv Werden!
Klimaschutz ist wichtig. Und das Ziel lässt sich für Deutschland sehr genau benennen: Von über 11 Tonnen CO2e auf unter 1 Tonne CO2e pro Person und Jahr. Das ist die Position des Umweltbundesamtes im Einklang mit der internationalen Staatengemeinschaft.
Für den persönlichen Schnellcheck gibt es den CO²-Rechner vom Umweltbundesamt!

 

Fakt 11: Fläche

Seit den Achtzigerjahren verbraucht die Menschheit mehr natürliche Ressourcen, als die Erde hergibt, ohne Schaden zu nehmen. In Deutschland geht dabei über ein Drittel für Ernährung drauf - und davon 80 Prozent für tierische Lebensmittel. Dahinter folgen Wohnen, Mobilität und Konsum. Trotzdem hat jeder Mensch einen eigenen ökologischen Fußabdruck. Das ist die Fläche, die er umgerechnet für seinen Lebensstil in Anspruch nimmt. Um das zu messen, wird der Globale Hektar als Einheit verwendet. Ein Globaler Hektar entspricht einem Hektar Erdoberfläche mit durchschnittlicher biologischer Produktivität – ein Hektar Regenwald ist produktiver als ein Hektar Wüste. Diese Fläche ist natürlich begrenzt. Rechnerisch stehen jedem Menschen nur 1,7 Globale Hektar zur Verfügung. Wenn Länder diesen Wert überschreiten, verbrauchen ihre Bürger mehr Ressourcen, als unser Planet zur Verfügung stellen kann. Im Jahr 2019 hat die Weltbevölkerung fast das Doppelte an Globalen Hektar beansprucht

Fakt 12: Atomkraftwerke und Endlagerung

11 von 17 Atomkraftwerken sind seit 2011 in Deutschland abgeschaltet worden – Das AKW Mülheim-Kärlich wurde sogar bereits 1988 abgeschaltet, der Rückbau läuft seit 2004. Die radioaktiven Abfälle aus diesem Rückbau müssen irgendwo gelagert werden.  

Ende 2022 werden die letzten Kernkraftwerke in Deutschland abgeschaltet und 1900 Castoren voll mit hoch strahlendem Müll müssen untergebracht werden. Das ist die Hinterlassenschaft der Kernenergie und ihrer Nutzung. 90 Gebiete in Deutschland haben nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung günstige geologische Voraussetzungen.

 

Bis 2031 soll das Auswahlverfahren abgeschlossen und eine Entscheidung über den Endlagerstandort durch den Deutschen Bundestag getroffen werden. Ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden.

 

Fakt 13: Erdüberlastungstag

Im Jahr 1979 fiel der sogenannte „Earth Overshoot Day“ auf den 29. Oktober. 1989 auf den 11. Oktober, 1999 auf den 29. September, 2009 auf den 18. August und 2019 auf den 29. Juli. Der Tag soll symbolisch darauf aufmerksam machen, ab wann wir im Sine der Nachhaltigkeit in der Kreide stehen - also bspw. mehr Brennmaterial und Nahrungsmittel verbrauchen, als weltweit nachwachsen und hergestellt werden können.

Das lässt sich auch für die einzelnen Länder berechnen. Ärmere Staaten mit niedrigem Konsum wie Indonesien, Ecuador oder Nicaragua leben erst im Dezember auf Pump, in Katar und Luxemburg ist es schon im Februar so weit. Das liegt auch daran, dass diese beiden Länder den Großteil der Lebensmittel importieren. Macht höhere CO2-Emssionen und schlechte Stimmung.

Fakt 14: Plastikflut

Deutschland produziert so viel Verpackungsmüll wie kein anderer EU-Staat. Bei Kunststoffverpackungsmüll liegt Deutschland auf Platz drei in der EU. 

Auch wenn Recycling von Kunststoffen betont wird, ist dies nur mit einen Bruchteil des Kunststoffmülls überhaupt möglich. Rund eine Million Tonnen Plastik werden stattdessen exportiert. Mehr als die Hälfte aller Plastikabfälle der Welt ging jahrelang nach China. Seit die Volksrepublik 2018 einen Importstopp verhängte, werden andere asiatische Staaten als Müllauffangstationen genutzt. 

Weil 99 Prozent aller Kunststoffe aus fossilen Brennstoffen wie Öl, Gas und Kohle hergestellt werden, sind die klimaschädlichen Emissionen entlang des Lebenszyklus enorm. 

Der Plastikatlas erklärt die daraus resultierenden Probleme.

Akitv werden! 
Tipps zur Vermeidung von Kunststoffabfällen gibts hier im Ratgeber "Ohne Plastik leben".

Fakt 15: Bahnstrecken

In Deutschland wurden seit 1990 über 6.500 Kilometer Schienen stillgelegt, also ein Fünftel des gesamten Schienennetzes. Davon war besonders der Osten betroffen: 40 Prozent aller geschlossenen Strecken liegen in den neuen Bundesländern. 

238 stillgelegte Bahnstrecken, insgesamt gut 4.000 Kilometer lang, sollen in Deutschland wieder reaktiviert werden. Siebzehn dieser Strecken liegen in Rheinland-Pfalz. Vier davon sind kostengünstig zu reaktivieren. Reaktivierungen von Teilstrecken der Eifelquerbahn sowie der Aartalbahn sind bereits in der Umsetzung.

Wo ist die Ausstellung gerade zu sehen?

vom 12.4. bis 15.5. ist die Ausstellung in der Mainzer Neustadt und Innenstadt zu sehen. 
Hier eine Übersicht der Orte. Wir wünschen allen einen spannenden Spaziergang. 
an allen Ausstellungsorten bekommen Sie die Übersicht auch als Flyer zum Mitnehmen (sofern die Geschäfte öffnen dürfen).
(zum Vergrößern bitte anklicken) 

DANKE an die beteiligten Geschäfte in Mainz: