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Diverse - Die Bibel

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ (1. Mose 1, 1)

Das Wort „Bibel" stammt aus der griechischen Sprache und bedeutet "Bücher" (biblia). Denn eigentlich ist die Bibel eine Sammlung von verschiedenen Einzelschriften beziehungsweise „Büchern". Sie besteht aus zwei Teilen: Das Alte Testament beschreibt das Volk der Juden mit ihrem Gott, das Neue Testament handelt von Jesus Christus und seinen Anhängern. Die Bibel ist die Heilige Schrift der Christen. Mit dem Alten Testament, der hebräischen Bibel, teilen Christen und Juden ein gemeinsames schriftliches Fundament.

Was heute vorliegt, ist die Verschriftlichung und vielfache Überarbeitung ursprünglich mündlicher Überlieferungen. Stilistisch deckt die Bibel vom trockenen Gesetzestext bis zum poetischen Liebeslied, vom Märchen bis zum sozialpolitischen Manifest, von der statistischen Liste mit den Daten einer Volkszählung bis zur ausgefeilten Novelle ziemlich jede denkbare Richtung ab.

Die Bibeltexte wurden von diversen Autoren an unterschiedlichen Orten und zu verschiedenen Zeiten geschrieben.

Im Laufe der Geschichte wurden in verschiedenen Ländern immer wieder der Gebrauch, Besitz, die Lektüre oder Übersetzung bestimmter Bibeln verboten.

Maßgeblich wachte der Vatikan über die ordnungsgemäße Verbreitung und Rezeption der Bibel. Volkssprachliche oder nicht autorisierte Ausgaben landeten schnell auf dem „Index Librorum Prohibitorum“, dem Verzeichnis verbotener Bücher.

Heutzutage sind in vielen Ländern, in denen Christen Verfolgung erleben, häufig auch der Druck oder die Weitergabe von Bibeln verboten.

In Nordkorea zum Beispiel geht die Verfolgung von Christen zunächst und vorwiegend vom Staat aus. Seit drei Generationen ist das Land darauf ausgerichtet, die machthabende Kim-Familie zu verehren. Christen werden als feindseliges Element in der Gesellschaft angesehen, das eliminiert werden muss. Viele nordkoreanische Flüchtlinge haben ausgesagt, dass jede Form der Bezeugung des christlichen Glaubens, sogar der bloße Besitz einer Bibel, als Grund für Verhaftung und Deportation in ein Umerziehungslager gelten kann, in denen die Häftlinge einer außergewöhnlich grausamen Behandlung unterworfen werden, die häufig zum Tod führt.

In streng islamischen Ländern kann der Besitz einer Bibel oder einer Broschüre mit christlichem Inhalt zu harten Strafen führen. In Saudi-Arabien beispielsweise sind die Einfuhr, der Druck und der Besitz nicht islamisch-sunnitischen religiösen Materials, wie Bibeln, verboten.

Jehovas Zeugen - Der Wachtturm

Die erste Ausgabe der Zeitschrift „Zion`s Watch Tower and Herald of Christ`s Presence“, erschien 1879. Die Gründung der „Zion`s Watch Tower Tract Society“, einem nicht-kommerziellen Verlag, erfolgte 1881.

Die Zeugen Jehovas sind eine christliche Religionsgemeinschaft. Ihre Wurzeln liegen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten. Unter Charles Taze Russels bildete sich zunächst die Gemeinschaft der Bibelforscher, um die unverwässerten Lehren der Bibel zu erkennen und das Urchristentum fortzuführen. In den 1920er-Jahren entstand das Markenzeichen der Gemeinschaft – der Haus-zu-Haus-Dienst. In der Weimarer Republik und in der Bundesrepublik Deutschland genossen Jehovas Zeugen religiöse Freiheit.

Jehovas Zeugen benutzen eine eigene Bibelübersetzung, die sonst nicht anerkannt wird: die Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift. Für Jehovas Zeugen steht die göttliche Autorität über der staatlichen. Sie halten sich an die staatlichen Gesetze, solange diese nicht eine Handlung fordern, die nach ihrem Bibelverständnis nicht im Einklang mit Gottes Geboten ist.

Organisationen und Einrichtungen, die sich mit Verstößen gegen Menschenrechte befassen, weisen in ihren Berichten darauf hin, dass Jehovas Zeugen in verschiedenen Ländern Angriffen und Verfolgung ausgesetzt sind und ihnen die Ausübung ihres Glaubens sowie ihrer Publikations-und Missionstätigkeiten teilweise vollständig verboten wird.

Beispielsweise in Eritrea und Russland sind besonders systematische und intensive Repressionen seitens der Regierung zu beobachten.

In Deutschland wurden die Zeugen Jehovas von den nationalsozialistischen Machthabern und der SED-Diktatur in der DDR als Feinde angesehen. Ihre Verweigerung des Hitlergrußes wurde als resistentes Verhalten gewertet und gab Anlass für Verfolgung. Besonders durch die weltweite Vernetzung der Gemeinschaft wurde ihnen eine Verbindung zum „Weltjudentum“, den Sowjets und dem Freimaurertum mit dem Ziel der Versklavung des deutschen Volkes unterstellt. Viele Zeugen Jehovas wurden jahrelang in Haftanstalten und Konzentrationslagern inhaftiert. Sie bildeten neben den jüdischen Verfolgten als einzige Religionsgemeinschaft eine eigenständige Häftlingskategorie.

Nach der Befreiung galten Jehovas Zeugen in der DDR als „Opfer des Faschismus“. Die SED begann jedoch schon kurz nach der Gründung der DDR, ihnen diesen Status abzuerkennen, da ihre Verweigerungshaltung dem Staat gegenüber als systemgefährdend angesehen wurde. Diffamiert als „amerikanische Kriegsprediger“ und „imperialistische Spione“ wurde die Religionsgemeinschaft 1950 in der DDR verboten und geriet erneut unter Beobachtung. Der „Wachtturm“ wurde als Hetzblatt wahrgenommen, das Verbot von Einfuhr und Vertrieb führte immer wieder zu heimlichem Lesen und illegalem Schmuggel, mit oft schwerwiegenden Konsequenzen.

Eugen Drewermann - Kleriker. Psychogramm eines Ideals

„Ein Kleriker, wenn er von Amts wegen ‚Kriege‘ führt, führt deshalb stets ‚heilige Kriege‘. Mit anderen Worten: er darf sich als Amtsperson niemals eingestehen, einem Irrtum aufgesessen zu sein oder einen Irrtum begangen zu haben. Es ist die Grundlage seines Seins, im Recht zu sein und auf der rechten Seite zu stehen.“

Mit „Kleriker“ legte Drewermann 1989 eine Analyse des inneren Zustandes der katholischen Kirche und der Menschen, die zentral die Kirche Christi verkörpern, vor. Drewermann greift in dem Buch mit Vehemenz die Machtstrukturen der Kirche an, die statt Erlösung Angst und statt Freiheit Abhängigkeit erzeugen, und stellt jahrhundertelang tradierte Werte und Normen infrage. Auf 900 Seiten versucht er, den Nachweis zu führen, dass die kirchlichen Strukturen zwangsweise krankmachen müssen.

„Kleriker“ ist Drewermanns essentiellstes Buch im Zusammenhang mit dem Entzug seiner Lehrerlaubnis.

Eugen Drewermann kam am 20. Juni 1940 in Bergkamen auf die Welt. Schon als 14-Jähriger las er die Schriften Albert Schweitzers, in denen er viele seiner späteren Kritikpunkte gegen die Amtskirche vorformuliert sah. Von 1960 bis 1965 studierte Drewermann Philosophie in Münster und katholische Theologie in Paderborn. 1966 erfolgte die Priesterweihe.

In den 80er-Jahren entwickelte sich ein Konflikt zwischen Drewermann und der katholischen Kirche. Drewermann äußerte vermehrt Ansichten, die in einigen Punkten nicht mit der katholischen Lehrmeinung vereinbar sind. Bald offenbarte sich Drewermanns Medienpotential. Mit zahlreichen Publikationen, darunter dem heftig diskutierten Bestseller „Kleriker“, gewann er ein großes Publikum und er begann, die Öffentlichkeit in den Konflikt miteinzubeziehen.

Am 8. Oktober 1991 wurde Drewermann vom Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt die katholische Lehrbefugnis entzogen. 1992 folgte das Predigtverbot. Mit seinem viel diskutierten Buch „Kleriker wurde Drewermann als „Kirchenrebell“ bekannt. Er wies zentralen Glaubensinhalten der katholischen Kirche eine symbolische Deutung zu und zweifelte den Tatsachencharakter von in der offiziellen Lehre beschriebenen Ereignissen an.

Der prominenteste Gegenspieler Drewermanns war der Kölner Erzbischof Meißner. Er verbot seinem Bistum, in einer katholischen Buchhandlung weiter einzukaufen, die mit dem zu diesem Zeitpunkt bereits vom Priesteramt zurückgetretenen Drewermann eine Lesung veranstaltet hatte. Auch andere Bildungshäuser und Buchhandlungen wurden angewiesen, nicht mit Drewermann zu kooperieren.

Dietrich Bonhoeffer – Ethik

„Es gibt vor Gott kein lebensunwertes Leben; denn das Leben selbst ist von Gott wert gehalten.“

Immer wieder schrieb Bonhoeffer an dem Manuskript für „Ethik“, sah es als seine Lebensaufgabe an, einen theologischen Neuentwurf – eine Ethik – für die Zeit nach dem Krieg zu formulieren. Von besonderer Bedeutung waren ihm in seinen Überlegungen Fragen der christlichen Verantwortung im politischen und privaten Bereich.

Dietrich Bonhoeffer kam am 4. Februar 1906 als sechstes von acht Kindern in Breslau zur Welt. 1930 bestand er in Berlin, sein zweites theologisches Examen und habilitierte sich. Ab 1933, mit der Machtergreifung Adolf Hitlers, gab es einschneidende Veränderungen in Bonhoeffers Leben. Er stand sofort in der kirchlichen Opposition. Bereits am 1. Februar 1933 warnte er in einem Rundfunkvortrag vor einem falschen Führertum und drei Monate später positionierte er sich deutlich mit seinem Vortrag „Die Kirche vor der Judenfrage“. 1937 setzte er seine Arbeit im Untergrund fort.  1939 schloss sich der Gruppe des aktiven Widerstandes an. 1940 beendete ein Befehl der Gestapo endgültig Bonhoeffers Pastorentätigkeit. Er erhielt Redeverbot und 1941 Schreibverbot. Am 5. April 1943 wurde er aufgrund seiner konspirativen Arbeit durch die Gestapo verhaftet. Er kam im Februar 1945 über Buchenwald nach Flossenbürg und wurde am 9. April 1945, zwei Wochen vor der Befreiung durch die amerikanischen Truppen, erhängt.

Ein Großteil der veröffentlichten Werke Bonhoeffers wurde nach seinem Tod aus verschiedenen Unterlagen zusammengestellt.

Bonhoeffer war der Meinung, dass die Einführung eines kirchlichen Arierparagrafen eine zerstörerische Einmischung des Staates in fundamentale kirchliche Angelegenheiten bedeuten und im Widerspruch zu Bibel und Bekenntnis stehen würde.

Aus diesem Denken heraus gründete er am 11. September 1933 gemeinsam mit Martin Niemöller den Pfarrernotbund, aus dem wenige Monate später die Bekennende Kirche hervorging. Der Widerstand der Bekennenden Kirche war aber zunächst kaum oder gar nicht politisch begründet, sondern diente der Wahrung der theologischen Grundlagen der Deutschen Evangelischen Kirche. Bald kam es von staatlicher Seite zu Übergriffen, Repressionen und Verboten gegenüber der Bekennenden Kirche.

Im September 1940 wurde gegen Bonhoeffer ein Reichsredeverbot wegen „volkszersetzender Tätigkeit“ verhängt und ihm wurde eine polizeiliche Meldepflicht auferlegt. Somit durfte Bonhoeffer weder lehren, noch sein Pfarramt ausüben. Im März 1941 folgte das Schreib- und Publikationsverbot.