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Thomas Hobbes – Leviathan

Der „Leviathan“ ist Hobbes‘ staatstheoretisches Hauptwerk. Im „Leviathan“ entwickelt Hobbes eine Gesellschaftstheorie, nach der Leid und Ungerechtigkeit herrschen, weil sich die Menschheit in einem gesellschaftlichen Naturzustand befindet. Um diesen Naturzustand zu überwinden, muss ein absolutistischer Staat erschaffen werden. Die Menschen können nur gemeinschaftlich in Frieden leben, wenn sie die Verantwortung für ihr Leben an einen Absolutistischen Herrscher übergeben. In diesem Sinne soll ein Gesellschaftsvertrag beschlossen werden. Aufgabe des Herrschers wäre im Gegenzug, die Menschen zu beschützen und für Sicherheit, Gesundheit und Eigentum zu sorgen. Nicht das Wohl einer Rasse oder Klasse, sondern das Wohl jedes einzelnen soll durch den Staat ermöglicht und gesichert werden. Das unterscheidet den Hobbesschen Leviathan von den totalitären Staaten moderner Prägung.

Thomas Hobbes wurde am 5. April 1588 in dem kleinen Ort Westport in Südwestengland geboren. Ab 1603 widmete er sich überwiegend dem Studium der Logik und Physik. Hobbes lebte in turbulenten Zeiten und erlebte unter anderem den Englischen Bürgerkrieg von 1642 bis 1649. Dies beeinflusste auch seine Sozialphilosophie.

Sein „Leviathan“ machte Hobbes bei Staat und Kirche unbeliebt. Nach der Publikation des Buches wurde er in England wegen des angeblich atheistischen und häretischen Charakters des „Teufelswerkes“ vielfach von Seiten der Kirche, des Adels und von Privatpersonen angefeindet und mitunter als „Vater des Atheismus“ bezeichnet.

1668 wurde ein Verbot aller Neudrucke des „Leviathan“ auf Lebenszeit ausgesprochen und die Druckerlaubnis für ein weiteres Buch verweigert. Um die Verbote zu umgehen, ließ er einige Schriften in Amsterdam verlegen und drucken.

1683 wurden seine wichtigsten politischen Werke an der Oxforder Universität von Studenten verbrannt.

In den Vereinigten Niederlanden wurde die niederländische Übersetzung des „Leviathan“ ab 1674 verboten, da er der kirchlichen Orthodoxie als gefährlich galt.

Die Römische Kirche setzte die lateinische Ausgabe des „Leviathan“ 1703 auf den „Index Librorum Prohibitorum“, ihre Verbotsliste, die bis 1966 Bestand hatte.

In Österreich wurde mit der Einrichtung der ersten Zensurkommission unter der Erzherzogin Maria Theresia der Buchmarkt erstmals systematisch und flächendeckend kontrolliert. Das 1751 begründete Zensur- und Überwachungsnetzwerk wurde bis in die 1820er Jahre hinein verdichtet und perfektioniert und mit der Revolution 1848 wieder aufgehoben. Staat und Kirche gaben die Normen des Erlaubten vor. Alles was aufrührerisch, beleidigend, sittenwidrig oder gar aufklärerisch erschien, gelangte auf Verbotslisten. . Als anstößig galten laut Richtlinien vor allem Angriffe auf die Religion, insbesondere auf die katholische. Somit traf es 1776 auch Hobbes „Leviathan“.

Rosa Luxemburg - Zur russischen Revolution

„Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer nur Freiheit des anders Denkenden. Nicht wegen des Fanatismus der ‚Gerechtigkeit‘, sondern weil all das Belehrende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die ‚Freiheit‘ zum Privilegium wird.“

Im Februar 1917 weckte der revolutionäre Sturz des Zaren in Russland Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende. Die Provisorische Regierung setzte den Krieg gegen Deutschland jedoch fort, weshalb es im März in vielen russischen Städten zu monatelangen Protesten und Massenstreiks kam. Zuerst gegen die Mangelwirtschaft, dann gegen Lohnverzicht und schließlich gegen den Krieg und die Monarchie. Rosa Luxemburg ließ sich fortlaufend über diese Ereignisse informieren und schrieb dazu 1918 im Breslauer Gefängnis den Aufsatz „Zur russischen Revolution“. Darin begrüßte sie Lenins Revolution, kritisierte aber zugleich scharf seine Strategie und warnte vor einer Diktatur der Bolschewiki.

Rosa Luxemburg hat die Schrift niemals abgeschlossen oder überarbeitet. „Zur russischen Revolution“ wurde 1922 von Paul Levi, Genosse und Anwalt Luxemburgs, veröffentlicht.

Rosa Luxemburg wurde (vermutlich) am 05.03.1871 als Rozalia Luksenburg in Zamosć geboren. Ihre Eltern waren Juden und lebten im von Russland kontrollierten Teil Polens. Sie studierte an der Universität Zürich Philosophie, Mathematik, Geschichtswissenschaften, Politik und Ökonomie. Im Jahr 1898 heiratete Rosa Luxemburg Gustav Lübeck und erhielt damit die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie reiste nach Berlin und wurde Mitglied der SPD. Gegen die Kriegsunterstützung der SPD gründete sie zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 die „Gruppe Internationale“ und leitete mit Karl Liebknecht den daraus hervorgegangenen Spartakusbund. Nach der Niederschlagung des Spartakusaufstandes wurde sie zusammen mit Karl Liebknecht am 15. Januar 1919 von Angehörigen der Garde-Kavallerie-Schützen-Division in Berlin ermordet.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden zahlreiche Schriftsteller und Publizisten von den Nationalsozialisten geächtet, weil sie jüdischer Abstammung waren, politisch nicht mit dem Regime übereinstimmten oder pazifistische oder kommunistische Ansichten vertraten. Diese Werke wurden auf sogenannten „Schwarzen Listen“ erfasst. Luxemburg war Marxistin, einflussreiche Vertreterin der europäischen Arbeiterbewegung und des „Proletarischen Internationalismus“. Sie wirkte vor allem in der polnischen und deutschen Sozialdemokratie als marxistische Theoretikerin und Antimilitaristin. Somit landete auch ihr Name auf der „Schwarzen Liste“ im Bereich Geschichte. Ihre Schriften wurden verbrannt und waren bis 1945 verboten.

Adolf Hitler - Mein Kampf

„Der Staatsbürger ist gegenüber dem Ausländer bevorrechtigt. Er ist der Herr des Reiches.“

In dem Werk werden die Lehre und die Ziele Hitlers festgelegt. In dem Buch werden alle Bereiche der Politik erörtert, mit besonderer Deutlichkeit aber das Programm einer künftigen deutschen Außenpolitik beschrieben, mit dem Ziel, Lebensraum für das deutsche Volk zu erobern. Zudem konkretisierte Hitler sein antisemitisches Programm. Während er seit 1919 zunächst die „Entfernung" der Juden gefordert und damit meist ihre Auswanderung oder Ausweisung aus Deutschland gemeint hatte, forderte er nun 1925 in „Mein Kampf“ ihre Tötung.

Die Erstausgabe erschien am 18. Juli 1925 (Band 1) und am 11. Dezember 1926 (Band 2) im Franz Eher Nachf. Verlag. Bis 1945 wurden über 12,5 Mio. Exemplare weltweit in 16 Sprachen verkauft oder verschenkt. Ab 1936 schenkten viele Standesämter den deutschen Brautpaaren anstatt der Bibel „Mein Kampf“, es wurde von Parteimitgliedern erworben und von Schülern im Unterricht verwendet.

Adolf Hitler kam am 20. April 1889 in Braunau am Inn zur Welt. Am 26. Februar 1923 holte Hitler durch den nach ihm benannten Putsch zu seinem ersten Schlag gegen die demokratische Republik aus: Das Scheitern der Aktion hatte das Verbot der NSDAP und eine fünfjährige Haftstrafe für Adolf Hitler zur Folge. Gegen Ende der 1920er Jahre kehrte Hitler auf die politische Bühne zurück. Am 30. Januar 1933 wurde er von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Damit begann die NS Terrorherrschaft und ebnete den Weg zum 2. Weltkrieg. In ihm verübten die Nationalsozialisten und ihre Helfershelfer zahlreiche Massenverbrechen und Völkermorde.

Nach dem Selbstmord Hitlers und dem totalen Zusammenbruch des NS-Regimes 1945 übertrugen die alliierten Siegermächte die Rechte an dem Buch dem Freistaat Bayern. Dieser nutzte seither das Urheberrecht, um jegliche Neuauflage zu verhindern. Am 31. Dezember 2015, 70 Jahre nach Hitlers Tod, sind die Urheberrechte an dessen Buch erloschen. 2016 erscheint vom Institut für Sozialgeschichte die erste umfassend kommentierte Edition, auch zur Entmystifizierung der Hetzschrift. Das bayerische Finanzministerium vertritt die Auffassung, dass ein wissenschaftlich unkommentierter Nachdruck auch nach Erlöschen des Urheberrechts als Verbreitung verfassungsfeindlicher Propaganda sowie als Volksverhetzung strafbar sei.

Auch in Österreich ist Hitlers Schrift selbst nicht verboten. Das Verbotsgesetz von 1947 untersagt jedoch nationalsozialistische Wiederbetätigung – hierzu zählt auch die unkommentierte Veröffentlichung von „Mein Kampf".

Es gibt kaum ein Buch, das mit so vielen Mythen überfrachtet ist und nicht zuletzt mit der Aura des Verbotenen wirbt. Ein Tabu, an dem sich auch gut verdienen lässt. Denn Hitlers Text ist schon lange vor 2016 auf vielfältigen Wegen zugänglich: Ob in antiquarischen Buchläden, im Internet oder englischsprachige legale Ausgaben in Großbritannien und den USA. In fast jeder Sprache sind Nachdrucke von „Mein Kampf“ zu finden. In arabischen Ländern oder der Türkei ist das Buch sogar ein Longseller.

Andere Länder dagegen schätzen das Buch als so gefährlich ein, dass sie den Verkauf stoppten. Beispielsweise die Niederlande 1974. Und auch in Russland wurde „Mein Kampf“ 2010 von einem Gericht aufgrund seines extremistischen und militaristischen Charakters verboten. [Sicherlich ist dies auch in weiteren Ländern der Fall; Angaben variieren und sind oft ungenau]

 

Während der Vatikan Alfred Rosenbergs „Mythos des 20. Jahrhunderts“ 1934 in sein „Index Librorum Prohibitorum“, dem Verzeichnis verbotener Bücher, aufnahm, wurde „Mein Kampf“ trotz eingehender Prüfung nicht indiziert.

Jean-Jacques Rousseau - Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes

„In dem Augenblick, wo die Regierung die Staatsgewalt an sich reißt, ist der Gesellschaftsvertrag gebrochen. Alle einfachen Staatsbürger kehren von Rechts wegen in ihre natürliche Freiheit zurück und sind zum Gehorsam nur noch gezwungen, nicht mehr verpflichtet.“

In seiner Schrift „Vom Gesellschaftsvertrag“ präsentierte Rousseau die These, dass sich der Staat als politische Organisation am Willen der Allgemeinheit ausrichten sollte, basierend auf einem freiwilligen, allgemein bindenden Gesellschaftsvertrag. Er wandte sich gegen jede Form von Despotismus und erschuf einen Entwurf vom mündigen Bürger, der sich, im Gegensatz zu Hobbes „Gesellschaftsvertrag“, freiwillig dem idealen Gemeinschaftswillen unterwirft, ohne seine persönliche Freiheit aufzugeben. Diese Verteidigung des Gemeinwillens gegenüber dem absolutistischen Staat bildete die theoretische Grundlage der Französischen Revolution.

Jean-Jacques Rousseau wurde am 28. Juni 1712 in Genf geboren. 1742 zog er nach Paris. Dort kam er mit Diderot und dem Kreis der Enzyklopädisten in Kontakt. Die aufklärerische Kraft, die von Rousseaus Werk ausging, wurde von Kirche und Staat gefürchtet. Der Appell an Freiheit und Verantwortung bedeutete eine scharfe Kritik an den bestehenden monarchistischen Verhältnissen.

„Vom Gesellschaftsvertrag“ wurde zusammen mit seinem Buch „Émile“ vom Parlament verboten, vom Pariser Erzbischof verurteilt und in seiner Heimatstadt Genf verbrannt. Um Haftbefehlen zu entkommen, floh er in die Schweiz, dann nach England.

Rousseaus Gesellschaftsvertrag wurde von der Indexkongregation der römischen Kirche wie alle seine Werke am 16. Juni 1766 per Dekret verboten und auf den „Index Librorum Prohibitorum“ gesetzt, ihrer Verbotsliste, die bis 1966 Bestand hatte.

In Österreich wurde mit der Einrichtung der ersten Zensurkommission unter der Erzherzogin Maria Theresia der Buchmarkt erstmals systematisch und flächendeckend kontrolliert. Das 1751 begründete Zensur- und Überwachungsnetzwerk wurde bis in die 1820er Jahre hinein verdichtet und perfektioniert und mit der Revolution 1848 wieder aufgehoben. Staat und Kirche gaben die Normen des Erlaubten vor. Alles was aufrührerisch, beleidigend, sittenwidrig oder gar aufklärerisch erschien, gelangte auf Verbotslisten, vor allem Angriffe auf die Religion, insbesondere auf die katholische. Somit traf es 1776 auch Rousseaus „Gesellschaftsvertrag“.