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Charles Darwin - Über die Entstehung der Arten

„Darüber, dass noch so vieles über den Ursprung der Arten und Varietäten unerklärt bleibt, wird sich niemand wundern, wenn er unsere tiefe Unwissenheit hinsichtlich der Wechselbeziehungen der vielen um uns her lebenden Wesen in Betracht zieht.“

Darwins „Entstehung der Arten“ zählt zu den bedeutendsten naturwissenschaftlichen Werken, die je veröffentlicht wurden. Es vertritt den Standpunkt, dass alle Organismen ganz allein durch natürliche Vorgänge entstanden sind, sich Tier- und Pflanzenarten durch natürliche Selektion im Laufe langer Zeiträume verändern und alle heute existierenden Lebewesen von gemeinsamen Vorfahren abstammen. Damit bildet es die Grundlage der modernen Evolutionsbiologie.

Charles Darwin wurde am 12. Februar 1809 in Shrewsbury geboren. Mit 16 begann er ein Medizinstudium, was er jedoch abbrach um dann Theologie zu studieren. Er machte Bekanntschaft mit einigen bedeutenden Wissenschaftlern und Professoren der Geologie und Botanik. Bis 1836 begab er sich auf eine naturwissenschaftliche Weltreise mit einem Vermessungsschiff der britischen Marine. 1859 veröffentlichte Darwin sein Hauptwerk „Über die Entstehung der Arten", mit dem er die christliche Schöpfungslehre widerlegte. Es folgten weitere Arbeiten, die seine Theorie verfeinerten.

Die Evolutionstheorie steht im völligen Gegensatz zur kirchlichen Lehre, in der die Arten als unveränderliche Schöpfungswerke beschrieben werden. Bis zur heutigen Zeit lehnen Anhänger des Kreationismus (der wörtlichen Interpretationen der heiligen Schriften) die darwinistische Evolutionstheorie ab.

Bereits am Erscheinungstag war Darwins Buch restlos vergriffen. Das öffentliche Pro und Kontra, weitete sich bald zur ersten internationalen Debatte in der Geschichte der Naturwissenschaften aus. Darwins Schrift schien so bedrohlich, dass Verbote erlassen wurden, sich an Schulen damit zu befassen.

1882 verbot der Preußische Kultusminister die Durchführung des Biologieunterrichts an höheren Schulen. 1883 wurde die Evolutionslehre für den gesamten Schulunterricht verboten, da man sie für staatsgefährdend hielt. Erst 1925 wurde sie wieder in den Lehrplan aufgenommen.

1923 wurde in dem US-Bundesstaat Oklahoma ein erstes Anti-Evolutions-Gesetz verabschiedet. Ähnliche Gesetze folgten in Kalifornien, North Carolina, Arkansas und Tennessee. Einige Verbote galten noch bis weit in die 1960er hinein.

[Auch in Jugoslawien (1935) und Griechenland (1937) soll das Buch verboten gewesen sein, Im Laufe der Recherchen konnten wir hierzu jedoch keine weiteren Informationen finden.]

Erstaunlicherweise wurde „Die Entstehung der Arten“ nicht in den Index des Vatikans aufgenommen.

Albert Einstein - Die Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie

„Aus diesen Erwägungen sieht man, daß die Durchführung der allgemeinen Relativitätstheorie zugleich zu einer Theorie der Gravitation führen muß; denn man kann ein Gravitationsfeld durch bloße Änderung des Koordinatensystems erzeugen.“

Einsteins allgemeine Relativitätstheorie ist eine klassische Theorie der Gravitation, die als Erweiterung von seiner speziellen Relativitätstheorie und dem auf Galileo Galilei zurückgehenden Äquivalenzprinzip gilt. Einstein konnte mathematisch das Phänomen der Gravitation erklären, die, hervorgerufen durch Masse und Energie, als Krümmung der Raumzeit manifest wird.

Albert Einstein wurde am 14. März 1879 als erstes von zwei Kindern der jüdischen Eheleute Hermann und Pauline Einstein in Ulm geboren. 1905 promovierte er zum Doktor und veröffentlichte einige seiner wichtigsten Arbeiten. Eine handelt von der bahnbrechenden speziellen Relativitätstheorie, eine andere enthält die wohl berühmteste Formel der Welt, „E = m × c2“, die besagt, dass sich Materie in Energie umwandeln lässt. 1932 begab er sich auf einen mehrmonatigen Forschungsaufenthalt in die USA. Die Machtübernahme Hitlers 1933 veranlasste ihn, nicht mehr in sein Geburtsland zurückzukehren. Er verzichtete auf alle akademischen Ämter in Deutschland und gab seinen Pass ab. 1934 wurde er vom Deutschen Reich strafausgebürgert.

In den Krisenjahren der Weimarer Republik nutzten die Nationalsozialisten die Gelegenheit, sich als Retter einer bedrohten Zeit zu inszenieren und erklärten die Juden als verantwortlich für den Werteverfall der Gesellschaft. 1921 hetzte Hitler im „Völkischen Beobachter“ gegen jüdische Wissenschaftler: „Wissenschaft, einst unseres Volkes größter Stolz, wird heute gelehrt durch Hebräer, denen im günstigsten Fall diese Wissenschaft nur Mittel ist zu ihrem eigenen Zweck, zum häufigsten aber Mittel zur bewussten planmäßigen Vergiftung unserer Volksseele und dadurch zur Herbeiführung des inneren Zusammenbruches unseres Volkes.". Es wurde eine „deutsche Physik“ als Gegenentwurf zur „jüdischen Physik“ propagiert. „Deutsche Physik“ galt dabei als „arische Physik oder Physik der nordisch gearteten Menschen“, basierend auf der klassischen Physik des 19. Jahrhunderts und mit der Betonung auf der Experimentalphysik – ganz im Gegensatz zur angeblich formal-dogmatischen „jüdischen Physik“, wobei besonders Einsteins Theorien gemeint waren.

Um ein deutliches Zeichen zu setzen, fielen auch zahlreiche Schriften Einsteins den Bücherverbrennungen von 1933 zum Opfer.

Simone de Beauvoir - Das andere Geschlecht

"Man kommt nicht als Frau zur Welt, sondern wird dazu gemacht. Keine biologische, physische oder ökonomische Bestimmung legt die Gestalt fest, die der weibliche Mensch in der Gesellschaft annimmt."

Mit „Das andere Geschlecht“ hat de Beauvoir die erste umfassende europäische Kulturanalyse zur Geschlechterdifferenz geschrieben, die die Position der Frau in den unterschiedlichsten Gebieten – biologisch, psychologisch, ökonomisch, historisch und literarisch – untersucht. In dem zweibändigen Werk entlarvt de Beauvoir die traditionell passive Rolle der Frau als gesellschaftliche Konstruktion des Patriarchats, aus der es nur den Ausweg der Selbstverwirklichung der Frau gäbe. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Geschlechtsidentität nicht angeboren, sondern anerzogen ist, und das Weibliche („das Andere“) als negatives Spiegelbild des Männlichen funktionalisiert wird.

Vom Moment seines Erscheinens stieß das Buch „Das andere Geschlecht“ auf Bewunderung wie auf Ablehnung. Radikal in seiner Fragestellung war es seiner Zeit weit voraus. „Das andere Geschlecht“ wurde weltweit rezipiert und zu einem der politisch wirksamsten Schlüsseltexte der Frauenbewegung sowie zu einem Hauptwerk feministischer Theorien.

Simone Lucie Ernestine Marie Bertrand de Beauvoir kam am 9.Januar 1908 in Paris zur Welt. Ab 1925 studierte sie französische Philologie und Mathematik, bevor sie ein Jahr später die Pariser Sorbonne wählte, um Philosophie zu studieren. In ihrem letzten Studienjahr lernte sie unter anderem Jean-Paul Sartre kennen, mit dem sie künftig eine intensive intellektuelle und emotionale Beziehung verbinden sollte. Zusammen mit Sartre nahm Simone de Beauvoir am politischen und gesellschaftlichen Geschehen ihrer Zeit stets aktiv teil.

1956 wurde de Beauvoirs Werk wegen der „unmoralischen Doktrinen, die die guten Sitten und die Heiligkeit der Familie mit Füßen treten“ auf den „Index Librorum Prohibitorum“, dem Verzeichnis verbotener Bücher der katholischen Kirche, gesetzt.

Die katholische Kirche betrachtete es ab dem 16. Jahrhundert, nach der Erfindung des Buchdrucks, als notwendig, bedenkliche Bücher zu verbieten und deren Titel in Katalogen aufzulisten. Erst 1966 wurde bekanntgegeben, dass der Index keinen verbindlichen Charakter mehr habe und die kirchlichen Strafen, wie die Exkommunikation beim Lesen eines verbotenen Werkes, entfallen würden. Die Führung eines Index war schon lange Zeit vorher nicht mehr realisierbar gewesen. Die Kirche besaß nicht die entsprechende Organisation und die Mittel, um die riesige Buchproduktion der heutigen Zeit zu bewältigen.

Immanuel Kant - Kritik der reinen Vernunft

„Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen.“

Die „Kritik der reinen Vernunft" gilt nicht nur als Hauptwerk von Immanuel Kant, sondern auch als Beginn der modernen Philosophie und Transzendentalphilosophie. Mit seiner Abhandlung wollte er die Gedanken des Rationalismus und des Empirismus verbinden. Er untersucht darin die Grundlagen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit und kommt zum Schluss, dass diese begrenzt ist – Dem Menschen stehen nur begrenzte Wahrnehmungsmöglichkeiten zur Verfügung, mit denen er die Wirklichkeit betrachtet. Das gilt umso mehr für den Bereich des Übersinnlichen, wo es um Gott, die Welt oder die Seele geht. Kant widerlegte die Gottesbeweise der mittelalterlichen Philosophie, leugnete aber nicht die Existenz Gottes oder die Unsterblichkeit der Seele. Er bekräftigte den Glauben als eine wichtige moralische Kraft.

Immanuel Kant wurde am 22. April 1724 in Königsberg geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. 1740 begann Kant mit dem Studium der Mathematik, Naturwissenschaften, Theologie und Philosophie. Ab den 1790er Jahren geriet Kant, als sich die Neuscholastik im kirchlichen Raum immer stärker durchsetzte, in einen sich stetig zuspitzenden Konflikt mit der Zensurbehörde und wurde zum Feind des katholischen Lehrsystems erklärt. Kant lehrte weiter bis 1796, musste sich aber verpflichten, in seinen Vorlesungen nicht mehr zu religiösen Themen Stellung zu nehmen.

Auf eine anfänglich positive Rezeption Kants durch die katholische Kirche folgte eine Phase der Ablehnung und Anfeindung. Seine Lehre wurde scharf zurückgewiesen und galt als zerstörerisches Gift für den Glauben. Über ein Jahrhundert durften sich katholische Gläubige mit dem Königsberger Philosophen überhaupt nicht befassen. Wer es dennoch tat, musste dies beichten. Seine „Kritik der reinen Vernunft“ wurde 1827 wegen der darin enthaltenen Widerlegungen der Gottesbeweise vom Vatikan auf den „Index Librorum Prohibitorum“, dem Verzeichnis verbotener Bücher, gesetzt. Die Aufhebung des Index 1966 führte zu einer Belebung des Studiums der Werke Kants durch katholische Leser.