Skip to content.



LOGO
 

>>   Gerechtigkeit - Antwort auf die globale Krise

Qualitatives Wachstum: Zauberformel oder Scheinlösung? - Öffentliche Veranstaltung, 17. Juni 2010, Mainz, Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung, Albert Schweitzer Straße 113, Mainz ;
Videoschnitt der Diskussion - hier
schriftlicher Veranstaltungsbericht - hier
Vortrag von Niko Paech als PowerPoint-Datei hier.

Die Suche nach einem gerechten Wirtschafts- und Gesellschaftssystem - Seminar mit "Grüne Jugend Rheinland-Pfalz", 25. - 27. Juni, Mainz, Bootshaus, Am Winterhafen 2 hier

Wir könnten auch anders - Artikel zu Wirtschaftswachstum aus "DIE ZEIT" vom 5.9.2009 von Wolfgang Uchatius - hier

Green New Deal - Verbundprojekt Heinrich Böll Stiftungen in Bund und Land mit Debatten, Beispielprojekten, Hintergrundinformationen und Foren - hier

Anti-Kohle Spot von Oxfam und Heinrich Böll Stiftung - hier

Gerechtigkeit – eine Antwort auf die globale Krise – so hat die Mitgliederversammlung der Heinrich Böll Stiftung Rheinland-Pfalz einen ihrer Arbeitsschwerpunkte für 2010/11 genannt.
Soziale Gerechtigkeit war im Zuge des Globalisierungsschubs ab den 1990er Jahren ein wichtiges Thema kritischer Politischer Bildung. Danach verschob sich die Aufmerksamkeit etwas hin zur ökologischen Entwicklung, insbesondere wegen des Klimawandels.
Seit 2008 sehen wir verschiedene, aber miteinander verbundene Krisen kulminieren: Die Finanz- und Wirtschaftskrise, die Klima- und Ressourcenkrise und eine Krise der Demokratie. Solche Zusammenhänge sind z.B.: Bei den Ölvorräten ist das Fördermaximum erreicht, die Nachfrage gestiegen und somit auch der Preis, und zwar massiv. Die Produktion von Biotreibstoffen verknappt die Flächen für Nahrungsproduktion. Das hat natürlich Einfluss auf die Wirtschaft und verunsichert die Finanzwelt. Deren Hilfsforderungen in der Krise lassen Politik und Menschen sich ohnmächtig fühlen.
Mit der aktuellen globalen Krise ist auch das Thema Gerechtigkeit wieder stärker ins Bewusstsein gerückt: Wer ist von den Folgen besonders betroffen? Wer trägt die Verantwortung, und welches waren die Motive? Wofür sollen staatliche, über Steuern generierte Gelder ausgegeben werden? Sollte eine Ober- und Untergrenze für Löhne und Gehälter festgesetzt werden? Wie soll gesellschaftlicher Reichtum verteilt werden? Auf diese Fragen werden im politischen Spektrum sehr unterschiedliche Antworten gegeben, sie kreisen jedoch letztlich alle um die Frage  nach Gerechtigkeit.
Mit dem Titel Gerechtigkeit weist die Heinrich Böll Stiftung Rheinland-Pfalz auf die Notwendigkeit hin, in der globalen Krise über Sinn und Eigendynamik eines Wirtschaftssystems nachzudenken, welches vielen Menschen, trotz eines im Mittel wachsenden Bruttoinlandproduktes, eher schlechtere Lebensbedingungen schafft.

Was ist gerecht?
Der Maxime einer absoluten Gleichheit in der Verteilung von Belastungen, Möglichkeiten und Ressourcen steht eine Legitimation von ungleicher Verteilung mit unterschiedlichen Argumenten gegenüber. Diese Begründungen können sich auf verschiedene Aspekte wie unterschiedliche Bedürfnisse, Leistungen oder Personenmerkmale beziehen. Gleichheit wie Ungleichheit in der Verteilung von Belastungen, Möglichkeiten und Ressourcen sind damit nicht automatisch gerecht oder ungerecht.
Es geht also nicht nur um formale Chancengleichheit, sondern um faire Chancen, die unterschiedliche Sozialisations- und Lebensumstände berücksichtigen.
Gerechtigkeit und Green New Deal
Viele assoziieren „faire Chancen“ richtig mit der aktiven Förderung von Bildung für Benachteiligte. Doch sie umfassen darüber hinaus auch den Zugriff auf weitere Güter und Leistungen der Gesellschaft.
  • Im Gesundheitswesen beispielsweise verschärfen sich die Ungleichheiten. Unter dem Gerechtigkeitsaspekt wären Investitionen notwendig, die den Ausgleich zwischen Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Konstitutionen unabhängig von ihrer individuellen Finanzstärke fördern.
  • Kürzere Arbeitszeiten ermöglichten eine ausgeglichenere Teilhabe an Arbeitsprozess und Freizeit, wie auch an demokratischer Partizipation.
  • Die Abkehr von ressourcenintensiven, weitgehend auf Kohlenstoffverbrennung basierenden Produktionsverfahren sind Gebot der Stunde: Die durch deutsche DurchschnittsbürgerInnen verursachte Klimabelastung von über 10t CO2 bürdet  jetzigen und nachfolgenden Generationen weltweit Lasten auf und entzieht ihnen Ressourcen.
Gerechtigkeit und Green New Deal
Der Green New Deal bietet einen Ansatz auf dessen Grundlage eine echte Neuorientierung erfolgen kann. Er fordert Investitionen in Klimaschutz, Bildung und kommunale Aufgaben, die insbesondere auf nachhaltige Energieproduktion und Energiesparen zielen. Von ebenso großer Bedeutung ist die Stärkung sozialer Dienstleistungen und ein sozialer Ausgleich. Dieser Ausgleich bezieht sich sowohl auf die fortschreitenden Einkommens- und Chancenunterschiede wie auch auf einen Ausgleich zwischen hochentwickelten und sog. Entwicklungs- und Schwellenländern. Dazu ist ein gewisses Maß an gesellschaftlicher Wertschöpfung aber notwendig; der Zusammenbruch von Industriezweigen müsste aufgefangen werden.
Der Green New Deal kann jedoch längerfristig nicht bei einem wachstumsorientierten, marktliberalen System mit ökologischen und sozialen Einsprengseln Schluss machen. Viele Fragen bleiben: Soll z.B. massiv in die Entwicklung von Elektroautos investiert werden oder ist ein gut ausgebauter öffentlicher Verkehr ökologisch effektiver und bietet mehr Menschen gleiche Chancen auf Mobilität? Gut leben und arbeiten heißt für viele nicht unbedingt, mehr besitzen zu müssen, wie Studien zur Lebenszufriedenheit in westlichen Ländern seit Jahrzehnten zeigen.
Die Diskussion um die mittel- und langfristige Grundorientierung des Wirtschaftssystems hat gerade erst begonnen, die Heinrich Böll Stiftung Rheinland-Pfalz beteiligt sich intensiv daran.

Neue Werte oder Auf ein Neues war der Titel einer Veranstaltungsreihe vieler PartnerInnen aus dem Bereich der Erwachsenenbildung, bei dem das Thema  breit erörtert wurde.
Zum einleitenden Text - hier
zu den Veranstaltungsberichten (mit Audio-Dateien) -
- Neue politische Leitbild für ein zukunftsfähiges Deutschland - hier

- Mit den Medien in die Krise, mit Albrecht Müller - hier