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>>   Verkehrswendekongress

Die Zukunft der Mobilität zwischen Stadt und Region

Samstag, 03. April 2004
10:30 - 17:00 Uhr

Mainz
Tagungszentrum Erbacher Hof, Grebenstraße 24-26
Schirmherrin: Margit Conrad, Ministerin für Umwelt und Forsten, Rheinland-Pfalz

Der Kongress "Zukunft für Mobilität zwischen Stadt und Region",  fand vor ca 100 TeilnehmerInnen statt.

 


Sie können hier folgende weitere Informationen zur Veranstaltung in Mainz durch anklicken des Titels abrufen:

Bericht:

Der Kongress "Zukunft für Mobilität zwischen Stadt und Region", so fand vor ca 100 TeilnehmerInnen statt. Die Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz, kooperierte dazu mit dem Verkehrswendeforum Rheinland-Pfalz, dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) mit Unterstützung des Bistums Mainz.
Die breite Palette von Themen, die von hochkarätigen Referenten dem fachkundigen Publikum im prall gefüllten St.Hildegardsaal vorgestellt wurde, reichte von den Szenarien künftiger Mobilität (Prof. Dr. Hartmut Topp/ Uni Kaiserslautern) über die Fragen nach den Kosten und der Finanzierung öffentlicher Verkehrsmittel (Elke Kiltz MdL, verkehrspolitische Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen) zu den wirtschaftlichen Chancen für den Arbeitsmarkt (Willi Loose, Ökoinstitut Freiburg) und dem zugehörigen Spannungsfeld der politischen und wirtschaftlichen Machtinteressen (Prof. Dr. Heiner Monheim/ Uni Trier) bis zu praktischen Beispielen.
Grenzüberschreitungen spielten in mehrfacher Hinsicht eine Rolle, zum Einen anlässlich der EU-Erweiterung. Dazu gab es Informationen von Karl-Heinz Boßan (Frankfurter Institut für umweltorientierte Logistik) über den mit Erdgasbussen und Straßenbahnen vorbildlich umweltfreundlichen ÖPNV in Frankfurt/ Oder, der bald die Grenze nach Polen (Slubice) in normalem Alltagsbetrieb überfahren wird. Zum Anderen die Grenzüberschreitung von Baden-Württemberg  nach Rheinland-Pfalz: Der Karlsruher Referent Oliver Glaser berichtete über die dortige Stadtbahn, die europaweit als vorbildlich gilt. Er informierte neben der phantastisch guten Entwicklung im Karlsruher Verkehrsverbund über die Grenzüberschreitung nach Rheinland-Pfalz (Wörth), die im Vergleich zum Beispiel Frankfurt/ Oder ausgesprochen schwierig war.

Dazu Wolfgang Faller von der Heinrich-Böll-Stiftung: ”Gerade vor dem Hintergrund der EU- Erweiterung ist der Blick und die Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg wichtig und wir können davon nur profitieren. London mit seiner City- Maut zieht inzwischen Kommunalpolitiker aus ganz Europa an, gegen alle Prophezeiungen ist die Maut ein großer Erfolg.”
Prof. Dr. Monheim motivierte das Publikum, offensiver an eine Verkehrswende heranzugehen: Mobilität und Autobesitz dürfen nicht gleichgesetzt werden. Dem Automobil werde viel zu viel Gutes nachgesagt und viel zu wenig die massiven Nachteile angelastet. Mit dem ÖPNV gehe es genau umgekehrt, er wird als Kostenfaktor gesehen, obwohl in ihm handfeste wirtschaftliche Vorteile stecken und viel mehr machbar ist als bisher getan wurde. Das nötige Umdenken bei politischen Entscheidungsträgern hat immer noch nicht begonnen.
           
Auch im Publikum ist man sich da weitgehend einig gewesen, der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Mehlhorn von der FH Mainz wies darauf hin, dass in der Wirtschaft verbreitet die Zeichen der Zeit bereits erkannt worden sind und der öffentliche Verkehr als Wirtschaftsfaktor zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Schließung des Bombardier-Werks Halle wegen Auftragsmangel und die geplanten Entlassungen bei Siemens sind eindrucksvolle Beispiele dafür, was bei weiter wegbrechendem öffentlichen Verkehr auf das Land zukommt.

Jupp Trauth vom Verkehrswendeforum zieht ein deutliches Fazit: ”Der Kongress hat eindrucksvoll bestätigt, dass unsere Mobilität nur dann eine Zukunft hat, wenn wir uns den Fragen der Zukunft stellen und mit dem Umdenken bald beginnen. Jeder Gedanke, der hier geäußert wurde, erfordert 10 Aktivitäten. Eine Zukunft ohne öffentliche Verkehrsmittel, wie sie Prof. Topp u.a. als pessimistisches Szenario dargestellt hat, darf nicht und muss nicht sein, wenn - nach ‘Karlsruher Modell’ - das Angebot und das Unternehmenskonzept stimmt. Warum das zum Beispiel hier in Mainz und Rheinhessen mit dem Konzept der Arbeitsgemeinschaft Rheinhessentram bislang noch nicht funktioniert hat, kann nur mit Unkenntnis oder Ignoranz der Politik erklärt werden.”
Die Veranstaltung fand im Rahmen einer internationalen Reihe unter dem Titel "Flüsse verbinden europäische Regionen. Die EU-Erweiterung als Chance" statt. Das Projekt von grünen-nahen Stiftungen in mehreren Ländern wird gefördert mit Mitteln der Europäischen Kommission aus ihrem Programm "Erweiterung: Das neue Gesicht der EU. Partnerschaften mit der Bürgergesellschaft fördern". Weitere Informationen über dieses Projekt und die EU-Erweiterung ist über die Seite www.fluesse-verbinden.de abrufbar.

 Und noch ein paar Buchempfehlungen:

Monheim/Nagorni (Hg).: Die Zukunft der Bahn. Zwischen Bürgernähe und Brösengang. = Herrenalber Protokolle 116, Karlsruhe, 2004. 255 S, 12,50 €. Mit 15 kritischen Beiträgen zur Bahnpolitik in Deutschland und zum großen Vorbild Schweiz

Wolf u.a.: Deutsche Bahngeschichte: Vom Aufbruch zum Abbruch. 150 Jahre Ludwig Süd-Nord-Bahn. Inselkrimi Bahnhof Lindau. Berlin. 2004. 120 S. 9,80 €. Mit 5 kritischen Beiträgen zum Ausverkauf der Bahn und Bahnhöfe